Friedrich Kittler (1943-2011)


1. – Iconic Turn: Friedrich Kittler – Das berechnete Bild
Felix Burda Memorial Lectures

Moderatorin Jeanne Rubner
Datum: 11.07.2002 / Uhrzeit: 19:00
Ort: AUDIMAX, Ludwig-Maximilians-Universität, München

Zunächst erfolgt eine kurze historische Einführung. Im Anschluß:
Geometrisch konstruierte Bilder, einschließlich Albertis Linearperspektive, erfüllen den Begriff errechneter Bilder nicht, sondern erst Bilder, wie sie seit den Brüdern Weber (1836) aus der Lösung von Gleichungssystemen hervorgehen. Auch Computer als solche sind keine Bildmedien; sie wurden es erst auf dem langen Weg zu graphischen Windows-Oberflächen. Gleichwohl bleibt Computergraphik sowohl technologisch wie algorithmisch d e r Schrittmacher gegenwärtiger Hardware-Entwicklung. Welche optischen Effekte damit errechenbar geworden sind, sollen zwei entgegengesetzte Simulationsmodelle zeigen (Raytracing versus Radiosity). Abschließend geht es um die Beziehung zwischen scientific visualisation und Computertechnik als Rückkopplungsschleife.

2. – ÜBERTRAGEN, PROZEDIEREN, SPEICHERN

Abschied von der Sophienstraße – Buchpräsentation »Media Archaeology« Am 15. Juli 2011 endet die Zeit des Instituts für Medienwissenschaft in der Sophienstraße 22a und gemeinsam mit den anderen Instituten des Hauses ziehen wir über den Sommer in das Pergamon Palais am Kupfergraben, auf Hegels Grundstück. Diese Übertragung nehmen wir zum Anlass, gemeinsam mit Lehrenden, Forschenden, Studenten und Freunden der Sophienstraße die Zeit und Ideen, die an diesem Ort enstanden sind, zu prozedieren und zu speichern, was zu speichern ist, um einen gebührenden Abschied zu feiern. Zudem wird das neue Buch „Media Archaeology“, herausgegeben von unserem derzeitigen Research Fellow Jussi Parikka und Erkki Huhtamo vorgestellt.

Nachtrag: Das Video zeigt Friedrich Kittlers letzten öffentlichen Auftritt. Wenige Wochen danach ist er am 18.10.2011 verstorben.

3. – Friedrich Kittler: Das Pathos der reinen Setzung
Mathematik als Letztbegründung, damit das kulturkritische Jammern endlich ein Ziel hat: Maß und Zahl >>> ZKM 2009 (Video)

 

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Zeitzeugengespräch / 70 Jahre Freie Universität Berlin

In einem Zeitzeugengespräch erinnerten sich Wegbegleiterinnen und -begleiter der Universität an sieben Jahrzehnte bewegte Geschichte: Mit Klaus Heinrich saß ein Mann der ersten Stunde auf dem Podium. Der heute 91-jährige Religionsphilosoph gehörte zu den Gründungsstudenten der Universität. Gesine Schwan kennt die Hochschule in dreifacher Rolle – als Studentin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Professorin: Die Politikwissenschaftlerin studierte von 1962 an am Otto-Suhr-Institut und lehrte dort von 1977 bis 2005. Komplettiert wurde die Runde durch Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales sowie Alumna der Freien Universität, und Tuba Arιkan, derzeit Studentin im Masterstudiengang Public History. Das Zeitzeugengespräch moderierte Professor Paul Nolte, Historiker am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität. Am 4. Dezember 1948 wurde die Freie Universität Berlin mit einem Festakt im Titania-Palast gegründet – ein Ereignis, das wesentlich dem Engagement des damaligen Berliner Obergürgermeisters Ernst Reuter zu verdanken ist. In jedem Jahr wird daher mit dem Ernst-Reuter-Tag das Gründungsjubiläum der Freien Universität begangen. Die Universitätsgemeinschaft, Alumni, Freunde und Förderer kommen zu diesem Anlass zusammen. Höhepunkt der Feierlichkeiten 2018 ist ein besonderer Festakt zum Ernst-Reuter-Tag anlässlich des 70. Gründungsjubiläums.

Quelle: FU

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Boris Groys – Seminare (Karlsruhe 1999/2007)

NOTA BENE / Diese Seite ist unter folgender Adresse verfügbar und von dort hierher importiert > https://groys.hfg-karlsruhe.de/

MP3 Sammlung einiger Boris Groys Seminare

Die Files sind mp3 mono/64kb codiert und ca. zwischen 4 und 62 MB groß.
Die Vorlesungen bestehen meist aus der Präsentation von Boris Groys
und der anschliessenden Diskussion.
Das Datum steht im Dateinamen.

Unsterbliche Körper WS 2006-07
Das Sakrale WS 2006-07
Walter Benjamin SS 2006
Der Begriff Leben SS 2006
Theodor Adorno: Ästhetische Theorie WS 2005-06
Theorie der Avantgarde WS 2005-06
Hegel „Phänomenologie des Geistes“ SS 2005
Der Begriff der Macht SS 2005
Politik des Designs SS 2004
Über die Dekonstruktion SS 2004
Geschichte der Utopie WS 2003-04
Formale und natürliche Sprachen II WS 2003-04
Formale und natürliche Sprachen I SS 2003
Die Zukunft der Demokratie SS 2003
Kritik der Wissenschaftsbilder WS 2002-03
Theorien des Konsums WS 2003-03
Der kategorische Imperativ SS 2002
Helden und Stars SS 2002
Strategien der Repräsentation SS 2001
Maschine als Metapher WS 2000-01
Soziologische Kulturmodelle WS 2000-01
Warenfetischismus SS 2000
Genealogie des Begriffs Medium SS 2000
Philosophie des Films WS1998-99, SS 1999
Marquis de Sade als Philosoph WS 1998-99
Sigmund Freud – Kulturkritische Texte SS 1999
Ästhetik und Gewalt I – III SS 1997, WS 1997-98, SS 1998

 

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Richard Sennett – „Was hält uns zusammen?“

Präsentation des SRF

Richard Sennett ist zu Gast in der SRF Sternstunde Philosophie bei Yves Bossart – Er gehört zu den wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit. Im Zentrum seines Denkens steht der Mensch und die Frage, was der Kapitalismus, die heutige Arbeitswelt und die zunehmende Verstädterung aus uns machen. Yves Bossart hat den weltbekannten Soziologen in Berlin getroffen. Eigentlich wollte er Musiker werden. Doch dann missglückte eine Operation an der linken Hand. Heute gehört Richard Sennett zu den einflussreichsten Intellektuellen weltweit. In seinem Bestseller «Der flexible Mensch» zeigte der in London und New York lebende Soziologe, wie sich prekäre Arbeitsbedingungen auf den Charakter des Menschen auswirken. In seinen Büchern «Handwerk» und «Zusammenarbeit» fragte er, was gute Arbeit ist und wie wir den sozialen Zusammenhalt stärken können. Und sein aktuelles Buch «Die offene Stadt» untersucht, wie Städte aussehen müssen, damit soziale Durchmischung gelingt und ein gutes Leben möglich ist. Yves Bossart spricht mit dem 75-jährigen Meisterdenker über sein bewegtes Leben und die Grundzüge seines Werks.

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Klaus Theweleit – „Second Order Television“

Wann Klaus Theweleit diesen interessanten Vortrag gehalten hat, ist ungewiss. Das („Amateur“-)Video wurde am 4 Okt. 2013 hochgeladen. Mehr Infos dazu willkommen…

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Theweleit wurde 1942 im ostpreußischen Ebenrode – heute Nesterow, Russland – als Sohn eines Eisenbahnbeamten geboren und wuchs nach der Flucht der Familie in Schleswig-Holstein auf. Er studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg. Sein Studium finanzierte er durch Jobs im Hoch- und Tiefbau, auf einer Kieler Werft oder beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg-Mürwik. Von 1969 bis 1972 arbeitete er als freier Mitarbeiter für den Südwestfunk. Als Mitglied des SDS nahm er an der linken Außerparlamentarischen Opposition teil. Dieses Erlebnis und die Auseinandersetzung damit hat Teile seines Werkes, seine wissenschaftlichen und literarischen Methoden, Themen und politische Zielsetzungen entscheidend geprägt. – Mit seiner „summa cum laude“ bewerteten Dissertation Freikorpsliteratur: Vom deutschen Nachkrieg 1918−1923 wurde er 1976 zum Dr. phil. promoviert. Die Doktorarbeit war die Grundlage für das 1977/1978 erschienene zweibändige Werk Männerphantasien. – Nach seiner Promotion wollte ihn die Freiburger Universität aufgrund seiner, so Gerhard Kaiser, „ungezügelten Intelligenz“ kein Proseminar abhalten lassen. Später lehrte er am Institut für Soziologie der Universität Freiburg und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Von 1998 bis 2008 war er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 2002 und 2003 war er Fellow des Kollegs Friedrich Nietzsche. – Theweleit lebt in Freiburg, ist als freier Autor tätig und hat Lehraufträge in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich.

Quelle / Werk / Bibliographie > wikipedia

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Daniel C. Dennett @ SRF

> Daniel C. Dennett – Geist, Gott und andere Illusionen <
(Video ~ 60 mn / Sendung vom 18. Februar 2018)

dennett

Präsentation des SRF (Schweizer Radio und Fernsehen)

Daniel Dennett ist einer der einflussreichsten Philosophen weltweit. Er ist Atheist, Darwinist und Materialist. Für ihn sind wir Menschen nicht mehr als ein komplexes Stück Materie, den Naturgesetzen unterworfen. Mit Yves Bossart spricht er über unser Bewusstsein, die Freiheit und den Glauben.

Für Daniel Dennett gibt es nichts Übernatürliches. Alles sei prinzipiell naturwissenschaftlich erklärbar, meint der Starphilosoph. Auch unser Bewusstsein. Gefühle und Gedanken seien, ebenso wie unser Ich, nichts weiter als Illusionen, die das Gehirn erzeuge, um einfacher funktionieren zu können. Der Geist sei letztlich nicht mehr als das Gehirn und somit ein Produkt der Evolution, wie alles in der Welt. Aber wie können aus materiellen Vorgängen im Gehirn Gefühle entstehen? Wie können wir Menschen frei sein, wenn unser Denken vom Gehirn abhängt? Und woher weiss er eigentlich, dass es Gott nicht gibt? Yves Bossart spricht mit dem streitbaren Materialisten und Atheisten über die grossen Rätsel und fragt, warum es keine sind.

Literatur:

  • Daniel Dennett: «Süsse Träume: Die Erforschung des Bewusstseins und der Schlaf der Philosophie». Suhrkamp, 2007
  • Daniel Dennett: «Den Bann brechen: Religion als natürliches Phänomen». Insel-Verlag, 2008.
  • Daniel Dennett: «Von den Bakterien zu Bach – und zurück: Die Evolution des Geistes.» Suhrkamp, 2018 (erscheint)

Quelle > Sternstunde Philosophie

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Nota Bene

Bibliographie und viele frei zugängliche Essays (EN) auf der
> Homepage von D.C. Dennett an der Tufts University <

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Dietmar Kamper († 2001) an Paul Virilio († 2018)

Nota Bene

Dietmar Kamper (geb. 1936) hat diesen Text im Zuge der Anschläge des 11. September und kurz vor seinem krankheitsbedingten Tod am 28. Oktober 2001 in Berlin geschrieben. – Die französische Übersetzung hat er Paul Virilio (1932-2018) gewidmet.

Assoziationen. Sieben abgewehrte Sätze über Kunst, Terror und Zivilisation

Erstens

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts, im Jahre 1164, verriet Raschid al-din Sinan, der berüchtigte Alte vom Berge, Führer der Assassinen, seinem Lieblingsschüler jene Worte, die sein eigener Lehrer Hassan i Sabbah II auf der Bergfeste Alamut buchstäblich aus sich herausgestoßen hatte: in einer öffentlichen Feierstunde warf der Lehrer den Koran fort, den er jahrelang studiert hatte, verkündete das Ende des Gesetzes und rief das tausendjährige Reich der Freiheit aus. „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“. Dies war das Losungswort, ein unwiderruflicher Einstieg in die Kritik der Zivilisation, die erste Zeile im Kanon eines kommenden Glaubensbekenntnisses der Brüder und Schwestern vom freien Geist (wie Greil Marcus schreibt). Die Blasphemie ist eine Zeitbombe des „Bösen“, die sofort zur Distanzierung und Diskriminierung der gesamten zivilisierten Welt führte und die Assassinen, harmlose Haschischesser, zu „Mördern“ auf Lebenszeit, auf Geschichtszeit, auf Weltzeit machte. Auf der anderen Seite sorgte das proklamierte Ende des Gesetzes in den Hochreligionen, auch im Islam, für ähnliche Ungereimtheiten. Hassan i Sabbah II ließ alle enthaupten, die dem Losungswort nicht folgen wollten oder konnten und beförderte so die vom Gesetz „Erlösten“ auf der Stelle in ein Gefängnis, dessen Mauern aus Bildern der Freiheit bestanden. Nie seit Anfang der Welt waren die Menschen derart unter Zwang und derart der Schonungslosigkeit eines leeren Himmels ausgesetzt.

Zweitens

„Alle Kultur hat blutige Füße“ (Heiner Müller). In der Zeit des Vergessens wurden die von der Kultur verursachten Massaker einer Anfangsbarbarei zugeschrieben, die es nie gegeben hat. Das Barbarische ist eine Abspaltung der Moderne und gehört in die apokalyptischen Endzeiten. Ernsthafte genealogische Versuche konnten hingegen beweisen, daß keine große „Kulturleistung“ ohne Gewalt ausgekommen ist. Zugleich breitete sich sofort nach dem gewalttätigen Anfang ein lähmendes Entsetzen und Schweigen aus, das oft erst nach Jahrzehnten, nach Jahrhunderten peu a peu aufhörte. Bazon Brock hat eine Forschergruppe „Kunst + Krieg, Kultur + Strategie“ ins Leben gerufen, die die geringen Chancen der Zivilisation gegen die Blutspur der Kultur erforschen soll. Interessant ist das von ihm ausgerufene „Theorem vom verbotenen Ernstfall“. Es „begründet die Eichung kultureller Aktivitäten am Maßstab des Unterlassens, des Verhinderns. Ihm zufolge gilt es, in die Geschichtsschreibung und in die politische Prospektion auch jene Ereignisse als bestimmend, folgenreich, großartig aufzunehmen, die nicht geschahen, weil man sie verhinderte. Die Geschichte dessen, was nicht geschah, die Geschichte des Unterlassens, Nicht-Tuns gilt es in kultureller, politischer, sozialer Hinsicht zu entwickeln“ (Prospekt Forschergruppe Kultur + Strategie, Herbst 2001).

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