Pierre Bourdieu – Die feinen Unterschiede (1983)

Pierre Bourdieu – Die feinen Unterschiede und wie sie entstehen
[La distinction. Critique sociale du jugement, Paris 1979]
Dokumentation des Hessischen Rundfunks
von Hans-Dieter Zimmermann und Peter de Leuver (1983)
über den französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930-2002).

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Aus Wikipedia:

Pierre Bourdieu stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater Albert Bourdieu war Landwirt und später Postangestellter, seine Mutter, Noémie Bourdieu, geborene Duhau, Hausfrau. Bourdieu besuchte zunächst mit großem Erfolg das Lycée de Pau in seiner Heimatstadt und wechselte 1948 an das angesehene Lycée Louis-le-Grand in Paris. Danach studierte er im Hauptfach Philosophie an der Elitehochschule École Normale Supérieure (ENS) und erreichte 1954 die Agrégation.

Während seines Studiums hörte er unter anderem Logik und Wissenschaftsgeschichte bei Gaston Bachelard und Georges Canguilhem, befasste sich mit Hegel und schrieb eine Abhandlung über Leibniz – dies alles vor dem Hintergrund der großen zeitgenössischen Bedeutung des Existentialismus in der französischen Philosophie.

Bourdieu begann mit einer Promotion an der ENS (1957 abgebrochen, um sich der soziologischen Feldforschung zu widmen) und nahm für ein Jahr eine Stelle als Gymnasiallehrer in der Auvergne an. 1955 zum Militärdienst eingezogen, wurde er für kurze Zeit in Versailles stationiert, aus disziplinarischen Gründen jedoch schnell im Algerienkrieg eingesetzt.

Im Anschluss an seinen Militärdienst führte er von 1958 bis 1960 in der Kabylei im nördlichen Algerien Feldforschungen zur Kultur der Berber durch und unterrichtete in der philosophischen Abteilung der Universität von Algier. Bereits 1958 erschien seine erste Veröffentlichung über Algerien.

Von 1960 bis 1961 war Bourdieu Assistent Raymond Arons an der philosophischen Fakultät der Sorbonne. Anschließend unterrichtete er bis 1964 Soziologie als Dozent an der Universität Lille. Er beschäftigte sich unter anderem mit Émile Durkheim, Max Weber und Alfred Schütz, mit amerikanischen Soziologen, der britischen Anthropologie sowie mit dem Linguisten Ferdinand de Saussure.

Gleichzeitig betrieb er Studien der arabischen und berberischen Sprache, die er bereits in Algerien begonnen hatte. Bis 1964 verbrachte Bourdieu seine unterrichtsfreie Zeit jeweils in Algerien, um seine ethnologischen Feldstudien fortzusetzen. In der Zeit zwischen 1958 und 1964 entstanden rund 3000 Fotos über den Krieg und das Alltagsleben in Algerien, insbesondere in Algier, von denen nur noch ein Teil vorhanden ist. Erst kurz vor seinem Tod wurden die Fotodokumente veröffentlicht, einzelne Fotos hatten zuvor als Buchtitel gedient. In Hamburg wurde 2006 eine Ausstellung von Fotoarbeiten Bourdieus gezeigt.

1963 publizierte er gemeinsam mit Alain Darbel, Jean-Paul Revet und Claude Seibel Abhandlungen über die Entstehung der Lohnarbeit und eines städtischen Proletariats in Algier. 1964 erschien eine Arbeit über die Krise der traditionellen Landwirtschaft, die Zerstörung der Gesellschaft sowie die Umsiedlungsaktionen durch die französische Armee, die er gemeinsam mit Abdelmalek Sayad verfasst hatte.

Auch andere Werke Bourdieus beziehen sich teilweise auf seine ethnologischen und soziologischen Forschungsergebnisse in Algerien, insbesondere seine Veröffentlichungen zur Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft im Jahr 1972 und Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft aus dem Jahr 1980, ebenso seine späte Arbeit Die männliche Herrschaft von 1998.

[…]

Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France inne, eine der höchsten Positionen im französischen Universitätssystem. 1985 wurde er Direktor des CSE am Collège de France und der EHESS in Paris. Im selben Jahr bat ihn Staatspräsident François Mitterrand, Vorschläge zur Reform des französischen Bildungswesens auszuarbeiten.

Bourdieu war auch, vor allem in späteren Jahren, ein politischer Intellektueller: Bekannt geworden ist seine Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern auf einer Betriebsversammlung im Gare de Lyon am 13. Dezember 1995. Im Jahre 1998 unterstützte er die Arbeitslosenbewegung in Frankreich, war Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung attac und trat im Mai 2000 für eine Vernetzung der sozialen Bewegungen in Europa gegen den Neoliberalismus ein. Die Tendenz zu politischen Stellungnahmen ist jedoch keine Spätentwicklung, sondern äußert sich bereits in seinen frühen Schriften zu Algerien.

Obwohl ins Zentrum der akademischen Macht in Frankreich, dem Collège de France, vorgedrungen, blieb er, aus einfachsten Verhältnissen stammend, Zeit seines Lebens dem Gebaren und den Gepflogenheiten dieser Institution gegenüber innerlich distanziert. Seine kritisch-ironische Antrittsvorlesung Leçon sur la leçon und die großangelegte Studie Homo academicus zeugen davon.

[…]

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