Heidegger – Im Denken unterwegs (1975)

Ein biographischer Film über Martin Heidegger von Walter Rüdel et Richard Wisser (1975, Südwestfunk, Neske-Produktion). –

 Martin Heidegger
(1889-1976)
Philosoph (*)

Lebenslauf

1889
26. September: Martin Heidegger wird als Sohn des Messners und Küfermeisters Friedrich Heidegger und dessen Frau Johanna (geb. Kempf) in Meßkirch (Baden) geboren.

1909
Nach dem Abitur beginnt er mit Unterstützung der katholischen Kirche das Studium der Theologie in Freiburg (Breisgau). Zu diesem Zeitpunkt will er noch Priester werden.

1911
Heidegger beginnt Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie zu studieren.

1913
Promotion über „Die Lehre vom Urteil im Psychologismus. Ein kritisch-positiver Beitrag zur Logik“.

1916
Habilitation in Philosophie.
Aus gesundheitlichen Gründen wird er nur eingeschränkt zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg herangezogen.

1917
Heirat mit der Ökonomiestudentin Elfriede Petri.

1919
Assistentenstelle in Freiburg bei Edmund Husserl (1858-1938), mit dessen Phänomenologie er sich kritisch auseinandersetzt.
Freundschaft mit Karl Jaspers.

1922
Bau seiner Hütte in Todtnauberg (Schwarzwald), auf die er sich bis zu seinem Lebensende immer wieder zurückzieht.

1923
Außerordentlicher Professor der Philosophie in Marburg. Er wendet sich der Philosophie Immanuel Kants (1724-1804) zu.

1927
Heidegger veröffentlicht sein Hauptwerk „Sein und Zeit“ [PDF], mit dem er die Fundamentalontologie begründet, die die traditionellen ontologischen Systeme seit Platon aufheben soll.
Heidegger stellt darin – ausgehend von der Alltäglichkeit – die Grundfrage nach dem Sinn von Sein neu, indem er nach dem menschlichen „Dasein“ fragt und definiert Sein als grundlegendes „In-der-Welt-Sein“, d.h. als eine Vollzugsform mit Weltbezug. Eine zentrale Kategorie bildet dabei die Zeitlichkeit des menschlichen Lebens und Verstehens als ein Entwurf auf den Tod hin, als „Sein zum Tode“. Theoretisch wird damit u.a. dem Handeln ein „Geschick“ vorgegeben, das innerhalb der „Gemeinschaft“ praktisch mobilisiert werden soll. In seiner Wirkung ist „Sein und Zeit“ wegweisend für die Philosophie und Wissenschaft des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, so zum Beispiel für Hannah Arendt, Herbert Marcuse, Jean-Paul Sartre oder Theodor W. Adorno. Die Rezeption ist zudem durch kontroverse Deutungen des Werkes bestimmt.

1928
Berufung nach Freiburg, wo er Nachfolger von Edmund Husserl (1858-1938) als Institutsdirektor wird.

1929
Aufsatz „Kant und das Problem der Metaphysik“.
Intensive Auseinandersetzung mit der Philosophie von Friedrich Nietzsche.

1930
Mit der Schrift „Vom Wesen der Wahrheit“ beginnt sein Spätwerk. Er sieht nun nicht mehr im Dasein den konstituierenden Ort der Wahrheit, sondern vertritt ein metaphysisches Seinsverständnis. In der „Seinsvergessenheit“ drückt sich für Heidegger die wachsende Heimatlosigkeit des modernen Menschen aus.

1931
Heidegger schätzt an Adolf Hitler dessen Bereitschaft zum Handeln.

1933
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten schließt sich Heidegger der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) an, von der er den „Neubeginn des deutschen Schicksals“ erwartet.
Er wird Rektor der Freiburger Universität, die er zur Basis einer neuen Besinnung umwandeln will. In seiner Antrittsrede „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“ [PDF] zieht er Parallelen zwischen dem Dienst des Gelehrten am Wissen und dem Dienst des Soldaten im Heer sowie des Arbeiters in der Produktionsstätte. Er führt diese Dienste in der Kategorie des „Arbeitsstandes“ zusammen, der durch die NSDAP geprägt werden soll. Er versucht das Prinzip der „geistigen Führung“ auf alle deutschen Universitäten zu übertragen, sein Programm einer „Führeruniversität“ scheitert aber.
In weiteren öffentlichen Reden kritisiert er aus seiner romantisch-konservativen Haltung heraus die Entpersönlichungs- und Entfremdungserscheinungen der modernen Gesellschaft.

1934
Er tritt vom Rektorat zurück, behält aber seinen Lehrstuhl für Philosophie bei.

1936-1938
Heidegger arbeitet sein zweites Hauptwerk „Beiträge zur Philosophie“ [Bd. 65 GA] aus, das erst postum 1989 veröffentlicht wird.

1947
Nach einem langwierigen Entnazifizierungsverfahren wird ihm von den französischen Besatzungbehörden die Lehrbefugnis entzogen.
Heidegger äußert sich Zeit seines Lebens öffentlich kaum zu seinem Engagement für den Nationalsozialismus.
In dem „Brief über den Humanismus“ verbindet er den Humanismus mit der Metaphysik und mit dem Aufstand des Menschen, der nur noch um sich selbst kreist.
Seine Werke beeinflussen den französischen Existentialismus um Jean-Paul Sartre, die Geisteswissenschaften, aber auch die Entstehung der daseinsanalytischen Psychiatrie.

1949
Seine in Bremen gehaltene Rede „Einblick in das, was ist“ ist eine von vielen, in denen er den Zusammenhang von Technik und moderner Wissenschaft darstellt und kritisiert.

1950
Nach der Aufhebung des Lehrverbots hält er bis 1967 Seminare für einen kleinen Kreis von Hörern in Freiburg.

1952
Emeritierung.

1974
Beginn der über 100bändigen Gesamtausgabe seiner Werke.

1976
26. Mai: Martin Heidegger stirbt in Freiburg.

(*) auf der Website des Deutschen Historischen Museums

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